Gipsform Adrian von Bubenberg

Bei der Gipsform handelt es sich um die Gussform, die hervorbrachte, was auf Schloss Spiez prominent sichtbar ist: Das Bubenberg Denkmal im Goldenen Hof. Auf der Terrasse steht er da, der Adrian von Bubenberg. In Form gebracht von eben diesem Ding, dem zweiten Bubenberg im Schloss, der Gipsform.
 
Entworfen wurde die Statue 1888/1890 von Karl Stauffer (1857-1891) für einen Wettbewerb zur Schaffung eines Bubenberg-Denkmals in der Stadt Bern. Nicht weniger als 11 Entwürfe namhafter Künstler wurden damals eingereicht. Im Sommer 1891 gab die Jury bekannt: «Mit Rücksicht auf das Doppelwesen des schwer zu vereinigenden Kriegers und Staatsmannes wurden nur Modelle prämiert, denen der Helm, somit die vollständige kriegerische Rüstung fehlte.» Ein Blick auf Stauffers Statue genügt und man weiss: Damit war sein Entwurf bei der Jury durchgefallen. Zweifellos ein Tiefschlag für den exzentrischen Künstler, der sich damals in einer Lebenskrise befand, aus der er nicht mehr herausfinden sollte.

Abgüsse seiner Wettbewerbseingabe gingen rasch in die Sammlungen verschiedener Museen ein. Stauffers Bubenberg ist dabei eine von lediglich zwei plastischen Werken, die vom Künstler erhalten geblieben sind.

Zu späten Ehren kam das eindrückliche Werk schliesslich 1957. Im Auftrag der Gottfried Keller-Stiftung vergrösserte R. Bousquet (Paris) den Entwurf in Gips und M. Pastori übernahm in Genf die Ausführung in Bronze. Am 31. Mai 1958 war es dann soweit: das über zwei Meter grosse Denkmal wurde im Goldenen Hof zu Spiez feierlich enthüllt. Und wie sagte der damalige Präsident der Gottfried Keller-Stiftung, Dr. Michael Stettler, damals so trefflich? - «Mir ist zumut, als sei ins Schloss sein Herr zurückgekehrt».

Stauffers Werk kommt ohne den sonst im 19. Jahrhundert üblichen Pathos aus und entfaltet dennoch – oder erst recht – eine Wirkung, die der Erinnerung an Adrian von Bubenberg eine eindrücklich Note verleiht, denn geleistet hat er viel, der Ritter, Staatsmann und Schossherr zu Spiez. Siehe dazu auch die Rede von Dr. Michael Stettler anlässlich der Denkmal-Enthüllung 1958

Grösse, Gewicht: 
hab ihn nicht gemessen - so «gross» wie Adrian von Bubenberg : )
Material: 
Gips
Alter, Jahrgang: 
1888/1890 Entwurf, 1957/58 Form
Herkunft, Hersteller: 
Karl Stauffer (Entwurf) / R. Bousquet (Form) / M. Pastori (Bronzeguss)
Verwendungszweck: 
Herstellung einer Bronzestatue von Adrian von Bugenberg
Aktueller Standort: 

Abseits des Trubels und den neugierigen Blicken des Publikums lauscht die Gipsform im Keller der Dinge, die rund um ihr Abbild im Hof von Schloss Spiez vor sich gehen. Schloss Spiez, www.schloss-spiez.ch

Weshalb das Objekt ins kantonsmuseum.be gehört: 

Das andere Kantonsmuseum ohne Refernz zu Adrian von Bubenberg??? - undenkbar! Die Gipsform steht für mich dabei noch mehr als die Statue selbst dafür, dass «Helden» immer auch gemacht werden. Ihre überlieferten Taten sind das eine, was wir damit machen, wie sie weitererzählt und zu eigentlichen Mythen und ins kollektive Gedächtnis von Generationen eingebrannt werden, ist das andere. Objekte und gerade auch Denkmäler erinnern an einstigen Pathos und der ist - mit einem Augenzwinkern versehen - manchmal auch heute noch ganz schön.

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